1 Meine Kamera und das Objektiv
Aktuell arbeite ich mit einer Nikon Zf und einem Voigtländer 40 mm F1.2. Das Objektiv ist rein manuell, besitzt aber einen Chip, der einige Informationen (z. B. gewählte Blende, Brennweite) an den Kamerabody überträgt. Dieser Chip steuert jedoch keine Autofokusmotoren, da das Objektiv manuell ist.
In der Kamera eingesetzte Bildverarbeitung:
Bei der Nikon Zf kommt Bildverarbeitung in der Kamera-Software zum Einsatz. Je nach Kameraeinstellungen und Firmware können dabei auch moderne, lernbasierte Verfahren genutzt werden.
Typische Verarbeitungsschritte sind:
- Rauschreduzierung: Die Kamera reduziert Bildrauschen, insbesondere bei hohen ISO-Werten, unter Erhalt von Details. Diese Rauschreduzierung wirkt sich vor allem auf die in der Kamera erzeugten JPEG-Dateien aus, während die RAW-Dateien die ungemittelten Sensordaten enthalten.
- Schärfung und Detailoptimierung: Kanten und Strukturen werden gezielt betont, um einen schärferen Eindruck zu erzeugen. Auch diese Schärfung wird primär bei der JPEG-Erstellung angewandt.
- Farb- und Tonwertkorrektur: Farben, Kontrast und Dynamikumfang werden für die JPEG-Erstellung angepasst, um einen ansprechenden Look zu erzielen.
- Objektivkorrekturen: Verzerrungen, Vignettierung und chromatische Aberration können automatisch korrigiert werden, auch wenn das Objektiv manuell ist. Diese Korrekturen basieren meist auf klassischen Algorithmen, können aber teilweise auch KI-gestützt sein.
Wichtig ist, dass diese Verarbeitungsschritte vor allem die JPEG-Dateien betreffen. RAW-Dateien bleiben unbearbeitet und enthalten die Rohdaten des Sensors.
Fokushilfe im EVF:
Das Voigtländer-Objektiv ist manuell, die Kamera unterstützt aber die Fokussierung mit eingeblendeten Hilfen (z. B. Fokus-Peaking, Vergrößerung, Fokuslinien). Zusätzlich nutzt die Kamera Motiverkennungsfunktionen, die Gesichter, Augen, Tiere oder andere Motive erkennen und als Orientierung für die Fokushilfen anzeigen. Diese Motiverkennung basiert auf KI-Technologien und analysiert das Bild in Echtzeit, um die Fokuspunkte automatisch auf relevante Motive auszurichten.
Wichtig: Obwohl die Motiverkennung KI nutzt, bleibt die eigentliche Fokussierung bei einem manuellen Objektiv in meiner Hand.
Fazit: Die Motiverkennung wird von mir nicht aktiv genutzt. Die Fokushilfen an sich unterstützen mich bei meiner Arbeit sehr, besonders bei einer Blende von F1.2. Die in die Kamera integrierte Bildverarbeitung führt aus meiner Sicht zu optisch qualitativ besseren Ergebnissen und reduziert das Maß an Nachbearbeitung erheblich. So kann ich mich mehr auf meinen kreativen Prozess konzentrieren. Das ist eine Unterstützung, die ich gerne nutze.
2 Bildbearbeitung mit Capture One und Affinity
Neben der Kamera spielt die Bildbearbeitung eine zentrale Rolle in meinem fotografischen Workflow. Ich nutze dafür hauptsächlich Capture One und Affinity. Beide Programme bieten leistungsstarke Werkzeuge, die meinen kreativen Prozess unterstützen. Dabei kommen auch KI-Technologien zum Einsatz, die bestimmte Arbeitsschritte erleichtern und verbessern.
2.1 Capture One
Capture One ist eine professionelle RAW-Entwicklungssoftware, die neben klassischen Bearbeitungsfunktionen auch KI-gestützte Features integriert hat. Dazu gehören unter anderem:
- Automatische Bildverbesserung: KI-Algorithmen analysieren das Bild und schlagen automatisch Optimierungen bei Belichtung, Kontrast und Farbe vor, die auf den Bildinhalt abgestimmt sind.
- Hauttöne und Porträtretusche: KI hilft bei der Erkennung von Hautpartien und ermöglicht eine gezielte, natürliche Retusche ohne manuelles Maskieren.
- Objekt- und Motivmaskierung: KI-basierte Werkzeuge erkennen automatisch Motive oder Objekte im Bild und erstellen präzise Masken, die eine gezielte Bearbeitung erleichtern.
- Rauschreduzierung: Moderne KI-Modelle reduzieren Bildrauschen effektiv, ohne Details zu verlieren, was besonders bei hohen ISO-Werten hilfreich ist.
Diese KI-Funktionen sind in Capture One so gestaltet, dass sie die Nutzenden unterstützen, aber nicht die kreative Kontrolle übernehmen.
2.2 Affinity
Affinity Photo ist eine vielseitige Bildbearbeitungssoftware, die ebenfalls KI-Technologien nutzt, wenn auch in einem etwas anderen Umfang:
- Intelligente Auswahlwerkzeuge: KI-gestützte Algorithmen helfen bei der schnellen und präzisen Auswahl von Objekten, Personen oder Hintergründen, was komplexe Freistellungen erleichtert.
- Inhaltsbasierte Füllung: KI analysiert Bildbereiche und füllt ausgeschnittene oder entfernte Bereiche nahtlos mit passenden Bildinformationen.
- Automatische Korrekturen: Affinity bietet KI-unterstützte Funktionen zur Verbesserung von Belichtung, Farbe und Schärfe, die auf Bildinhalte reagieren.
- Rauschreduzierung und Schärfung: Auch hier kommen lernbasierte Verfahren zum Einsatz, um die Bildqualität zu optimieren.
2.3 Mein Umgang mit Bildkomposition und Retusche
Die Bildkompositionen wähle ich mit Bedacht, störende Elemente werden isoliert. Generell versuche ich, spätere Zuschnitte zu vermeiden. Bei der Bearbeitung fallen mir manchmal erst störende Details auf, die dann meist zum Aussortieren des Bildes führen. Bei kleineren Elementen behalte ich mir vor, diese wenn möglich zu entfernen.
Da ich zum Beispiel meistens mit kontrastreichen Schwarzweiß-Aufnahmen arbeite, ist Licht ein wichtiges Element der Blickführung. Wenn ich bei der Aufnahme reflektierende Gegenstände wie Metallteile, Schlüssel oder Ähnliches übersehen habe, ist das manchmal sehr ärgerlich. Diese Reflexionen werden dann, wenn möglich, von mir retuschiert. Wenn es mir sinnvoll erscheint, entferne ich auch schon mal Personen oder problematische Firmenlogos. Insgesamt sind dies aber minimale Anpassungen, die wahrscheinlich nur meinem pingeligen Ich auffallen.
Wichtig: Es werden keine fremden Inhalte, weder KI-generiert noch aus anderen Quellen, in meine Fotos eingefügt oder ausgetauscht. Bei mir gibt es also keine Kuh, die da nicht stand.
3. Abschließende Gedanken
Für mich ist Fotografie ein kreativer und persönlicher Ausdruck, der auf Authentizität, handwerklichem Können und künstlerischer Interpretation basiert. Der bewusste und transparente Umgang mit modernen Technologien, einschließlich KI, ist für mich dabei eine Bereicherung, keine Bedrohung. Meine Fotos entstehen aus meiner eigenen Sichtweise und meinem künstlerischen Anspruch, ohne das Einfügen fremder oder KI-generierter Inhalte.