KI in der Fotografie

03. Januar 2026

1. KI in der Fotografie und die Kuh, die da nie stand

Das Thema Künstliche Intelligenz in der Kunst, insbesondere in der Fotografie, ist dynamisch und emotional aufgeladen. Auf meiner Homepage und meinen Instagram-Kanälen steht meine Fotografie mit ihren kreativen und künstlerischen Aspekten im Fokus. Hier möchte ich einige Gedanken zum Einsatz von KI-Technologien teilen und transparent darlegen, ob und wie sie meinen kreativen Prozess unterstützen.

Bilder sind seit jeher ein zentrales Medium menschlicher Kommunikation und Kultur. Sie dienen nicht nur der Dokumentation, sondern auch der Interpretation, Inszenierung und Vermittlung von Bedeutungen, Emotionen und Ideen. Das „Lesen“ von Bildern ist ein kultureller Prozess, bei dem Betrachtende Bedeutungen aus visuellen Zeichen, Symbolen und Kompositionen ableiten, oft kontextabhängig und subjektiv.

Fotografie ist eine besondere Form des Bildes, die historisch mit dem Anspruch verbunden ist, die Wirklichkeit abzubilden. Gleichzeitig ist sie ein künstlerisches Medium, das durch Komposition, Belichtung, Perspektive und Nachbearbeitung gestaltet wird. Fotografien sind daher nie reine „Wahrheit“, sondern immer auch Interpretation.

1.1 Warum akzeptieren wir stilistische Veränderungen?

  • Der schwebende Vogel: Unser Auge nimmt Bewegungen als fließend wahr und kann einzelne Momente nicht isoliert sehen. Die Kamera „friert“ jedoch einen Augenblick ein, der uns sonst verborgen bleibt, etwa einen Vogel scheinbar reglos in der Luft. Dieses Einfrieren eines Moments wird als ästhetisches Bildmotiv akzeptiert, weil wir verstehen, dass die Fotografie eine andere Wahrnehmungsebene eröffnet.
  • Schwarzweißbilder: Schwarzweißfotografie ist ein bewusstes Stilmittel, das den Fokus auf Formen, Kontraste und Komposition lenkt. Obwohl die Welt bunt ist, akzeptieren wir diese Abstraktion als künstlerische Entscheidung.
  • Colorgrading: Farbkorrekturen und stilistische Anpassungen sind Teil der kreativen Gestaltung, die Stimmungen und Atmosphären erzeugen. Wir wissen, dass Farben manipuliert werden, um eine bestimmte Wirkung zu erzielen.

1.2 Warum regt sich die Aufregung über manipulierte Inhalte wie eine Kuh, die nie da stand?

Hier werden ethische und kulturelle Grenzen berührt: Wenn ein Bild Elemente zeigt, die es in der Realität nicht gab, und dies nicht transparent gemacht wird, kann das Vertrauen in die Authentizität und Glaubwürdigkeit der Fotografie erschüttert werden. Besonders in dokumentarischen, journalistischen oder wissenschaftlichen Kontexten besteht die Erwartung, dass Bilder die Realität möglichst unverfälscht wiedergeben.

Die Kritik richtet sich also nicht grundsätzlich gegen Bildmanipulation, sondern gegen Täuschung und fehlende Transparenz. Wenn eine Kuh in einem Bild steht, die nie da war, und dies als Realität präsentiert wird, verschwimmen die Grenzen zwischen Kunst und Fälschung problematisch.

1.3 Kernaussage

Menschen fühlen sich betrogen, wenn die Erwartung an die Bildwahrheit nicht erfüllt wird und Manipulationen nicht offen kommuniziert werden. Dieses Gefühl entsteht durch den Bruch von Vertrauen und die Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Realität. Vertrauen und Transparenz sind daher entscheidend, um die Glaubwürdigkeit von Bildern zu erhalten.

2. Mein technischer Workflow

2.1 Meine Kamera und das Objektiv

Aktuell arbeite ich mit einer Nikon Zf und einem Voigtländer 40 mm F1.2. Das Objektiv ist rein manuell, besitzt aber einen Chip, der einige Informationen (z. B. gewählte Blende, Brennweite) an den Kamerabody überträgt. Dieser Chip steuert jedoch keine Autofokusmotoren, da das Objektiv manuell ist.

In der Kamera eingesetzte BildverarbeitungBei der Nikon Zf kommt Bildverarbeitung in der Kamera-Software zum Einsatz. Je nach Kameraeinstellungen und Firmware können dabei auch moderne, lernbasierte Verfahren genutzt werden.

Typische Verarbeitungsschritte sind:

  • Rauschreduzierung: Die Kamera reduziert Bildrauschen, insbesondere bei hohen ISO-Werten, unter Erhalt von Details. Diese Rauschreduzierung wirkt sich vor allem auf die in der Kamera erzeugten JPEG-Dateien aus, während die RAW-Dateien die ungemittelten Sensordaten enthalten.
  • Schärfung und Detailoptimierung: Kanten und Strukturen werden gezielt betont, um einen schärferen Eindruck zu erzeugen. Auch diese Schärfung wird primär bei der JPEG-Erstellung angewandt.
  • Farb- und Tonwertkorrektur: Farben, Kontrast und Dynamikumfang werden für die JPEG-Erstellung angepasst, um einen ansprechenden Look zu erzielen.
  • Objektivkorrekturen: Verzerrungen, Vignettierung und chromatische Aberration können automatisch korrigiert werden, auch wenn das Objektiv manuell ist. Diese Korrekturen basieren meist auf klassischen Algorithmen, können aber teilweise auch KI-gestützt sein.

Wichtig ist, dass diese Verarbeitungsschritte vor allem die JPEG-Dateien betreffen. RAW-Dateien bleiben unbearbeitet und enthalten die Rohdaten des Sensors.

Fokushilfe im EVF:
Das Voigtländer-Objektiv ist manuell, die Kamera unterstützt aber die Fokussierung mit eingeblendeten Hilfen (z. B. Fokus-Peaking, Vergrößerung, Fokuslinien). Zusätzlich nutzt die Kamera Motiverkennungsfunktionen, die Gesichter, Augen, Tiere oder andere Motive erkennen und als Orientierung für die Fokushilfen anzeigen. Diese Motiverkennung basiert auf KI-Technologien und analysiert das Bild in Echtzeit, um die Fokuspunkte automatisch auf relevante Motive auszurichten.

Wichtig: Obwohl die Motiverkennung KI nutzt, bleibt die eigentliche Fokussierung bei einem manuellen Objektiv in meiner Hand.

Fazit: Die Motiverkennung wird von mir nicht aktiv genutzt. Die Fokushilfen an sich unterstützen mich bei meiner Arbeit sehr, besonders bei einer Blende von F1.2. Die in die Kamera integrierte Bildverarbeitung führt aus meiner Sicht zu optisch qualitativ besseren Ergebnissen und reduziert das Maß an Nachbearbeitung erheblich. So kann ich mich mehr auf meinen kreativen Prozess konzentrieren. Das ist eine Unterstützung, die ich gerne nutze.

2.2 Bildbearbeitung mit Capture One und Affinity

Neben der Kamera spielt die Bildbearbeitung eine zentrale Rolle in meinem fotografischen Workflow. Ich nutze dafür hauptsächlich Capture One und Affinity. Beide Programme bieten leistungsstarke Werkzeuge, die meinen kreativen Prozess unterstützen. Dabei kommen auch KI-Technologien zum Einsatz, die bestimmte Arbeitsschritte erleichtern und verbessern.

2.2.1 Capture One

Capture One ist eine professionelle RAW-Entwicklungssoftware, die neben klassischen Bearbeitungsfunktionen auch KI-gestützte Features integriert hat. Dazu gehören unter anderem:

  • Automatische Bildverbesserung: KI-Algorithmen analysieren das Bild und schlagen automatisch Optimierungen bei Belichtung, Kontrast und Farbe vor, die auf den Bildinhalt abgestimmt sind.
  • Hauttöne und Porträtretusche: KI hilft bei der Erkennung von Hautpartien und ermöglicht eine gezielte, natürliche Retusche ohne manuelles Maskieren.
  • Objekt- und Motivmaskierung: KI-basierte Werkzeuge erkennen automatisch Motive oder Objekte im Bild und erstellen präzise Masken, die eine gezielte Bearbeitung erleichtern.
  • Rauschreduzierung: Moderne KI-Modelle reduzieren Bildrauschen effektiv, ohne Details zu verlieren, was besonders bei hohen ISO-Werten hilfreich ist.

Diese KI-Funktionen sind in Capture One so gestaltet, dass sie die Nutzenden unterstützen, aber nicht die kreative Kontrolle übernehmen.

2.2.2 Affinity

Affinity Photo ist eine vielseitige Bildbearbeitungssoftware, die ebenfalls KI-Technologien nutzt, wenn auch in einem etwas anderen Umfang:

  • Intelligente Auswahlwerkzeuge: KI-gestützte Algorithmen helfen bei der schnellen und präzisen Auswahl von Objekten, Personen oder Hintergründen, was komplexe Freistellungen erleichtert.
  • Inhaltsbasierte Füllung: KI analysiert Bildbereiche und füllt ausgeschnittene oder entfernte Bereiche nahtlos mit passenden Bildinformationen.
  • Automatische Korrekturen: Affinity bietet KI-unterstützte Funktionen zur Verbesserung von Belichtung, Farbe und Schärfe, die auf Bildinhalte reagieren.
  • Rauschreduzierung und Schärfung: Auch hier kommen lernbasierte Verfahren zum Einsatz, um die Bildqualität zu optimieren.

2.2.3 Mein Umgang mit Bildkomposition und Retusche

Die Bildkompositionen wähle ich mit Bedacht, störende Elemente werden isoliert. Generell versuche ich, spätere Zuschnitte zu vermeiden. Bei der Bearbeitung fallen mir manchmal erst störende Details auf, die dann meist zum Aussortieren des Bildes führen. Bei kleineren Elementen behalte ich mir vor, diese wenn möglich zu entfernen.

Da ich zum Beispiel meistens mit kontrastreichen Schwarzweiß-Aufnahmen arbeite, ist Licht ein wichtiges Element der Blickführung. Wenn ich bei der Aufnahme reflektierende Gegenstände wie Metallteile, Schlüssel oder Ähnliches übersehen habe, ist das manchmal sehr ärgerlich. Diese Reflexionen werden dann, wenn möglich, von mir retuschiert. Wenn es mir sinnvoll erscheint, entferne ich auch schon mal Personen oder problematische Firmenlogos. Insgesamt sind dies aber minimale Anpassungen, die wahrscheinlich nur meinem pingeligen Ich auffallen.

Wichtig: Es werden keine fremden Inhalte, weder KI-generiert noch aus anderen Quellen, in meine Fotos eingefügt oder ausgetauscht. Bei mir gibt es also keine Kuh, die da nicht stand.

3. Abschließende Gedanken

Für mich ist Fotografie ein kreativer und persönlicher Ausdruck, der auf Authentizität, handwerklichem Können und künstlerischer Interpretation basiert. Der bewusste und transparente Umgang mit modernen Technologien, einschließlich KI, ist für mich dabei eine Bereicherung, keine Bedrohung. Meine Fotos entstehen aus meiner eigenen Sichtweise und meinem künstlerischen Anspruch, ohne das Einfügen fremder oder KI-generierter Inhalte.

Ich lade alle Interessierten herzlich ein, sich mit mir über die Rolle von KI in der Kunst auszutauschen und mehr über meinen kreativen Prozess zu erfahren. Authentizität und Vertrauen sind für mich die Grundlage jeder künstlerischen Arbeit, und ich freue mich, wenn meine Bilder genau das vermitteln.

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