25. November 2025
Warum Farbe manchmal besser ist als Schwarzweiß – ein Perspektivwechsel
Als Fotograf arbeite ich aktuell überwiegend in Schwarzweiß, weil ich damit Licht, Schatten und Strukturen besser kontrollieren und die Emotionalität von Motiven gezielt steuern kann. Schwarz-Weiß-Fotografie hat zweifellos ihre Stärken: Sie reduziert das Bild auf seine essenziellen Formen und schafft oft eine zeitlose, intensive Atmosphäre.
Dieses Beispiel zeigt jedoch die Grenzen dieser Herangehensweise. Das abgebildete Fahrrad in Blau, umgeben von Pflanzen und Herbstlaub, gewinnt erst durch seine Farbe an Charakter und Erzählkraft. Die leuchtende blaue Farbe wird zum emotionalen Anker, der dem Bild eine spielerische, fast märchenhafte Stimmung verleiht. Die Farben differenzieren die Szene, schaffen visuelle Hierarchien und transportieren Informationen, die im Schwarz-Weiß-Bild verloren gehen.
Im Vergleich wirkt das Schwarz-Weiß-Bild ruhiger und nachdenklicher, betont Formen und Texturen, verliert aber die Lebendigkeit und den Charme, den die Farben verleihen. Hier zeigt sich: Farbe ist nicht nur schmückendes Beiwerk, sondern kann ein zentrales Element der Bildaussage sein.
Oft wird in den sozialen Medien Schwarzweiß-Fotografie als authentischere, intellektuellere oder sogar „wahre“ Fotografie dargestellt. Diese Ansicht teile ich nicht. Für mich sind Farbe und Schwarzweiß gleichermaßen Stilmittel, die ich gezielt einsetze, um genau das Werk zu schaffen, das ich vor Augen habe. Sie sind genauso wichtig wie Komposition, Licht, Schatten und Strukturen – und absolut gleichwertig.